Praxiserfahrung mit HVO100: Chancen, Grenzen und Perspektiven.
Seit rund einem Dreivierteljahr setzt wir bei Van Merhagen im gesamten Diesel-Fuhrpark auf den alternativen Kraftstoff HVO100. Der Umstieg ist eng mit unserer Nachhaltigkeitsstrategie verbunden und entstand aus der intensiven Auseinandersetzung mit unserer CO₂-Bilanz im Rahmen der Strategie 2030. Im Fokus stand dabei die Frage, wie Emissionen im laufenden Betrieb realistisch reduziert werden können, ohne die Leistungsfähigkeit der Logistik einzuschränken. Elektromobilität wurde in diesem Zusammenhang intensiv geprüft, stellte sich für unseren Einsatzbereich jedoch nicht als praktikable Lösung dar. Insbesondere bei Auslieferungsfahrzeugen spielen Reichweite, Ladeinfrastruktur und Kosten eine entscheidende Rolle, die aktuell gegen einen flächendeckenden Einsatz sprechen.
Synthetischer Dieselkraftstoff eine zuverlässige Alternative in der Praxis.
Vor diesem Hintergrund fiel die Entscheidung zugunsten von HVO100. Der synthetische Dieselkraftstoff wird aus erneuerbaren Rohstoffen wie Abfallölen und Reststoffen hergestellt und bietet damit eine unmittelbar verfügbare Alternative zum klassischen Diesel. In der täglichen Praxis zeigt sich, dass der Einsatz technisch zuverlässig funktioniert. Weder Leistung noch Verbrauch unterscheiden sich spürbar vom bisherigen Betrieb, sodass die Umstellung ohne Einschränkungen im Tagesgeschäft umgesetzt werden konnte. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf eine sachliche und transparente Bewertung. Aussagen zur Klimawirkung von HVO100 basieren in der Regel auf Lebenszyklusanalysen, die von verschiedenen Faktoren wie Rohstoffbasis und Lieferketten abhängen. Entsprechend können die tatsächlichen Effekte variieren und sollten differenziert betrachtet werden.
HVO100 noch eng an die Entwicklung des fossilen Kraftstoffmarktes gekoppelt.
Auch die wirtschaftliche Perspektive zeigt ein gemischtes Bild. Zwar bewegt sich der Preisaufschlag pro Liter aktuell auf einem moderaten Niveau, jedoch bleibt HVO100 eng an die Entwicklung des fossilen Kraftstoffmarktes gekoppelt. Preissteigerungen wirken sich entsprechend direkt aus und machen langfristige Kalkulationen weiterhin anspruchsvoll. Nach neun Monaten im Praxiseinsatz ziehen wir ein differenziertes Fazit. HVO100 kann einen relevanten Beitrag zur Reduktion von Emissionen leisten und eröffnet im operativen Alltag neue Handlungsspielräume. Gleichzeitig bestehen weiterhin offene Fragen, insbesondere in Bezug auf Preisgestaltung, Marktentwicklung und Skalierbarkeit. Auch die infrastrukturelle Einbindung weiterer Standorte stellt derzeit noch eine Herausforderung dar, sodass eine gruppenweite Umsetzung bislang nicht realisiert werden konnte. Wir werden die Entwicklung des Marktes und der Rahmenbedingungen weiterhin genau beobachten. Unser Ziel bleibt es, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen und fundierte Entscheidungen auf Basis belastbarer Praxiserfahrungen zu treffen.